Leserbriefe

Leserbriefe_38_26

 

Bitte lächeln!
Asiatische Gäste: wer sie sind und warum es immer mehr werden: Titel­geschichte in ff 37/26
Ich stimme Landeshauptmann Arno Kompatscher zu: Auch ich wünsche mir ein Südtirol, das Heimat bietet und zugleich weltoffen, europäisch und mehrsprachig ist. So hat er es beim Festakt zu 80 Jahren Pariser Vertrag in Meran ausgedrückt.
Gäste aus aller Welt – auch aus dem fernen Asien – können dazu beitragen, unseren Blickwinkel zu erweitern und über den Tellerrand hinauszublicken.
Südtirol ist und bleibt ein gastfreundliches Land. Doch wo sind die Grenzen dieser Gastfreundschaft? Wie weit sind wir bereit, für den Tourismus „die Hosen runterzulassen“? Wenn man von Angeboten wie einem Instant-Nudelsuppen-Imbiss unterhalb der Seceda-Bergstation liest, greift man sich an den Kopf. Geht’s noch?
Gewiss, man mag es als Fortschritt verbuchen, wenn Hoteliers dank interkulturellen Trainings den Umgang mit internationalen Gästen lernen und diese als „kultiviert, angenehm und zahlungskräftig“ wahrnehmen. Die Betonung liegt auf zahlungskräftig.
Für zahlungskräftige Touristen werden mühelos Ressourcen und Verständnis mobilisiert, während es an unseren Schulen an allen Ecken und Enden fehlt, um Kindern mit Migrationshintergrund oder besonderem Förderbedarf durchgehend eine Integrationslehrkraft zur Seite zu stellen. Doch Kinder und Jugendliche haben nun einmal keine finanzstarke Lobby.
Was mich stört, ist die Maßlosigkeit, mit der weiterhin um immer mehr Besucher geworben wird. Es wird zu Recht Respekt vor der Natur gefordert – doch wo bleibt der Respekt vor den Einheimischen?
Die Obergrenze des Zumutbaren ist längst überschritten, nicht nur bei uns im Pustertal. So stehen viele von uns an den Wochenenden immer wieder vor derselben traurigen Frage: Wo können wir noch hingehen? Die Antwort lautet meist nur noch ironisch: „An a Ort, wo koa Hitte isch und wo’s brutal steil isch.“
Silvia Krapf, St. Lorenzen

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Bitte lächeln!
Asiatische Gäste: wer sie sind und warum es immer mehr werden: Titel­geschichte in ff 37/26
Man muss der Redaktion der ff dankbar sein, dass sie diesen Aspekt des Südtirol-Tourismus auf den Titel hebt. Diesmal sucht der kritische Leser allerdings vergebens nach informativen Analysen oder kritischen Perspektiven. Er kann nämlich nur aufgrund der Leerstellen schließen, was im Artikel wortreich verschwiegen wird. Füllt man diese Leerstellen, ergibt sich folgende Erkenntnis: Nach dem Ausbleiben der russischen Oligarchen biedert sich die Südtiroler Hotellerie nun jenem gut verdienenden drei Prozent der Bevölkerung aus der Diktatur der Mitte an, das es sich leisten kann, vor Dolomitenhotspots zu posieren, um den zu Hause Gebliebenen zu signalisieren, dass man „den wirtschaftlichen Aufstieg“ geschafft hat. Dazu hat man in drei Wochen Europa bereist und mit einer Aufenthaltsdauer von 2,7 Tagen sogar das Unesco-Weltnaturerbe Dolomiten gesehen. Nachhaltiger Tourismus sieht anders aus.
Für zukünftig zu erwartende Besucherströme aus Asien möchte IDM-Marketing­direktor Wolfgang Töchterle mit noch mehr Rangern und Drehkreuzen im Gebirge vorsorgen. Bezeichnenderweise haben Fotograf Thomas Rötting und Reporterin Sylvia Pollex neben den Reisenden aus Peking, Taiwan, Malaysia, Shanghai ausschließlich Menschen interviewt, die von diesem ressourcenintensiven Tourismus profitieren, der zahlenmäßig schon bald den italienischen Gast verdrängen wird. Bewohnerinnen oder Bewohner touristischer Hotspots kommen nicht zu Wort, auch keine berufstätigen Pendler oder gar Angestellte in den Bettenhochburgen.
Solche Artikel und die schon bald inflationär veranstalteten Diskussionsforen werden das Problem des ausufernden Tourismus in Südtirol nicht lösen, solange man an den Kategorien festhält, die schon vor 50 Jahren einseitig und schädlich waren: Wachstum und maximaler Ressourcenverbrauch, unbegrenzte Investitionen in touristische Strukturen und Werbung bei maximaler Rendite für einige wenige.
Barbara Fuchs, Brixen

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Sieg der Extremen
Bild der Woche in ff 37/26 über das Wahlergebnis in ­Sachsen-Anhalt – und warum das auch uns betrifft
Das Wahlergebnis in ­Sachsen-Anhalt hat Europa wachgerüttelt. Mehr noch als die AFD ist das Problem, dass die anderen Parteien geschlafen haben und sich der Gefahr nicht bewusst waren.
Wenn wir in Südtirol nicht aufwachen, wird es uns gleich ergehen. Die Verschiebung/Teilung des Senatswahlkreises Unterland ist nur der Anfang. Wenn wir jetzt nicht reagieren, wird unsere Autonomie sprichwörtlich die Etsch runtergehen. Schon Goethe sagte: „Die Geister, die ich rief, werd’ ich nicht mehr los.“ Haben wir den Geschichten unserer Großeltern zu wenig gelauscht?
Monika Senfter, Reischach

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