Leserbriefe

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Politik der schönen Bilder
Die Vinschgerbahn wird gefeiert, aber warum fährt sie nicht regelmäßig?
Bei der medienwirksamen Feier zum 120-jährigen Bestehen der Vinschgerbahn am 18. Juli, bei der auch zahlreiche hochrangige ­Politiker anwesend waren, wurde der neue elektrifizierte Zug vorgestellt.
Für jene, die täglich auf die Bahn angewiesen sind, gibt es wenig zu feiern: Pendler, Schüler und andere Stammfahrgäste erleben weiterhin technische Defekte, Ausfälle und erhebliche Verspätungen.
Fahrgäste berichten von ­Wartezeiten von rund 20 Minuten in Marling oder über 40 Minuten in Schlanders, teils auch von Verspätungen von über einer Stunde. Auch der Busersatzverkehr ist von verspäteten Abfahrten, verpassten Anschlüssen, Ausfällen ohne Information und Kapazitätsengpässen betroffen.
Ich selbst habe kürzlich für die Strecke Bozen–Mals fünf Stunden gebraucht, da zwei Züge ausgefallen sind. Leider war das keine Ausnahme. Absurderweise ist man von Bozen schneller in Rom als in Mals.
Seit dem 7. September wird der Bahnbetrieb schrittweise ausgeweitet: Zwischen Mals und Latsch fahren nun Elektrozüge, zwischen Latsch und Meran vorerst weiterhin Dieselzüge. Der Busersatzdienst zwischen Mals und Meran bleibt bestehen. Ob dies die Probleme tatsächlich löst, bleibt abzuwarten.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Umfahrung von Kastelbell: Nur wenige Wochen nach der Eröffnung musste sie wegen Bodenwellen im Asphalt erneut gesperrt werden – als möglicher Grund werden die hohen Temperaturen genannt, aber auch die überstürzte Fertigstellung, um den Termin für die Einweihungsfeier nicht zu gefährden.
Es stellt sich die grundlegende Frage: Ist es der Südtiroler Politik wichtiger, sich mit großen Reden selbst zu feiern – oder Projekte so umzusetzen, dass sie der Bevölkerung einen echten Nutzen bringen?
Julian Waldner, St. Valentin auf der Haide

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Fahren mit dem Handy
Warum sich in Südtirol die Verkehrsunfälle häufen und warum wir alle mehr ­aufpassen müssen
In letzter Zeit häufen sich in Südtirol Verkehrsunfälle, bei denen man sich fragt, wie ist das möglich? Immer wieder passieren Zusammenstöße teils auf gerader Strecke, bei offensichtlich guten Straßenverhältnissen.
Ich bin mir sicher, das ist der zunehmenden Unaufmerksamkeit der Autofahrer geschuldet. Und dem hohen Verkehrsaufkommen: mehr Autos, mehr Unfälle. Aber die Hauptursache, davon bin ich überzeugt, ist die Ablenkung der Autofahrer. Hauptschuld ist das Smartphone. Die Strafen können noch so hoch sein, sie schrecken nicht ab. Jeder, der unterwegs ist, kann selbst beobachten, wie viele Fahrer telefonierend, Nachrichten lesend oder gar schreibend unterwegs sind. Jeder weiß, wie ­gefährlich das ist. Fast genauso gefährlich sind die immer ­größeren Bildschirme in den Autos. Früher hatte man einen Drehknopf oder einen Schalter, einfach zu bedienen, oder kannte die verschiedenen Funktionen auswendig. Heute muss man für eine Einstellung das entsprechende Menü suchen, dann ins Untermenü gehen, dann die Funktion auswählen ... Lassen wir uns nicht von diesen Dingen ablenken. Nehmen wir mehr Rücksicht auf die anderen Verkehrs­teilnehmer. Es schützt die anderen und auch uns.
Manfred Eisath, Eggen

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Luis Walcher und der Overtourismus
Wie viel Gewicht misst der Landesrat eigentlich den Sorgen der Bürgerinnen und Bürger bei?
Vor einigen Tagen hat Landesrat Walcher in einer Rede deutlich gemacht, wie wenig Gewicht er den Sorgen vieler Bürgerinnen und Bürger hinsichtlich des Overtourismus beimisst. Die neuerliche Genehmigung eines Fünf-Sterne-Hotels in Prags scheint diese Haltung zu bestätigen.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um die Zahl der Gästebetten. Viele Menschen fragen sich, wie sich der stetige Ausbau touristischer Infrastruktur auf Landschaft, Lebensqualität, Verkehr und Wohnraum auswirkt. Diese Bedenken pauschal abzutun, wird der Komplexität des Themas nicht gerecht.
Irritiert hat mich zudem in Walchers peinlichem Auftritt die Argumentation „Wer sagt das? Ich habe mit einem Menschen gesprochen ...“. Ich hoffe, dass diese Reaktion lediglich ein Ausrutscher war. Gerade in einer sachlich geführten Debatte sollte von politischen Verantwortungsträgern erwartet werden können, dass sie auf Argumente eingehen, anstatt sie mit flapsigen Bemerkungen abzutun.
Die Diskussion über die Zukunft des Tourismus in Südtirol verdient jedenfalls mehr Ernsthaftigkeit und eine offene Auseinandersetzung mit berechtigten Sorgen der Bevölkerung.
Walter Gruber, Bozen

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