Leserbriefe

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Was denn noch alles?
ff 29/26 über die Verwendung der Ortstaxe, von der viele etwas haben wollen.

Auch bei der Ortstaxe bleibt Südtirol ein Touristenparadies. Aber „wer im Fünf-Sterne-Haus urlaubt, zahlt bis zu fünf Euro täglich“, betont die ff – die Gemeinde Brenner z.B. hat dieser Tage für ***** die Ortstaxe auf 3,50 Euro erhöht. Bei Diskussionen um Anpassungen sehen Hoteliers schon ihr Geschäft in Gefahr. Ich habe neulich in Neapel übernachtet: Hostel, Acht-Personen-Schlafraum mit Stockbetten, Ortstaxe 5,50 Euro in der niedrigsten Kategorie!
Dafür ist bei uns die Übernachtung sogar in gemeinnützigen Bildungshäusern Ortstaxe-pflichtig – obwohl TeilnehmerInnen an Weiterbildungs- oder Therapie­seminaren gar keine Zeit bleibt, die Touristenangebote vor Ort zu nutzen. So finanzieren sie halt die Tourismuswerbung mit.
Martin Schweiggl, Kurtatsch

Panikmache
Verkrustete Strukturen: Wie muss die Versorgung bei Anorexie wirklich sein?

Die Berichterstattung über Essstörungen in den Medien bewegt sich oft in einem schwierigen Spannungsfeld. Wenn in Meldungen mit nackten Todesraten von 15 Prozent hantiert wird (natürlich wieder, wie könnte es anders sein, von Primar Roger Pycha), löst das bei Betroffenen und Angehörigen vor allem eines aus: Panik und Resignation.
Fachlich mag sich das auf extreme Langzeitverläufe beziehen, medial wirkt es wie eine reißerische Zuspitzung, die verschweigt, dass bei rechtzeitiger und richtiger Hilfe gute Heilungschancen bestehen.
Noch schwerwiegender als die mediale Darstellung ist jedoch die strukturelle Realität in Südtirol. Die Forderung nach neuen, isolierten Sonderprojekten und Spezial­stationen unter der Ägide einer traditionellen Akutpsychiatrie greift zu kurz. Wenn leitende Positionen über das Pensionsalter hinaus blockiert werden, droht jede gesundheits­politische Entwicklung zu erstarren.
Eine lebensbedrohlich untergewichtige Anorexie-Patientin gehört zuallererst in die akute Medizin zur körperlichen Stabilisierung. Danach braucht es aber kein starres psychiatrisches Bett, sondern eine spezialisierte Psychosomatik, eingebunden in ein flächendeckendes Netz aus Ambulanzen und Einrichtungen wie Bad Bachgart.
Statt dieses Netzwerk zu stärken, drohen durch solche rein psychiatrisch gesteuerte Forderungen kontraproduktive Parallelstrukturen: Es entsteht eine schädliche Konkurrenz statt Vernetzung, eine Verschwendung von ohnehin knappem Fachpersonal, und am Ende wird schlicht am Bedarf der Patientinnen und Patienten vorbeibehandelt.
Eine spezialisierte Psycho­somatik erfordert ein ganzheitliches, oft milieu-­­­t­herapeutisches Setting wie in Bad Bachgart.
Eine klassische Akutpsychiatrie ist meist auf kurzfristige Krisenintervention und Medikamenteneinstellung ausgelegt. Wenn dort nun am Bedarf vorbei neue Betten geschaffen werden, die im Grunde wieder im alten stationären System enden, ist das eine Parallelstruktur, die das Problem (das Fehlen einer echten, modernen Psychosomatik) nicht löst, sondern zementiert.
Es ist an der Zeit, dass die Verantwortlichen im Sanitätsbetrieb den Weg für einen dringend nötigen Generationenwechsel freigeben und die Versorgung im Bereich Psychosomatik/Esstörungen an internationale Standards anpassen.
K. F. (Name der Redaktion bekannt)

Die Geister, die ich rief
Die KI erleichtert uns das Leben. Und könnte es uns bald zur Hölle machen.
Leitartikel in ff 38/26
Auf KI ruhen große Hoffnungen, die an En­­thusiasmus grenzen. Damit sollen große Datenmengen in Se­kundenschnelle analysiert, in Betrieben Prozesse effizienter gestaltet und Routinen aus Arbeitsabläufen herausgenommen werden.
Allmächtige Maschinen übernehmen bei der Rasanz der Entwicklung wahrscheinlich auch bald unser Denken und Handeln. Und da wären wir bei den Tücken der künstlichen Intelligenz, denn vertrauen wir ihr blind bzw. geben Verantwortung und Rationalität aus den Händen, dürfte uns die Kontrolle bald einmal entgleiten.
Ein Werkzeug ist nämlich nur so gut und sicher wie derjenige, der es zulässt und bedient.
Thomas Malfertheiner, Bozen

Dialog beginnt mit Zuhören
Gedanken zum Bildungsdialog

Ich danke zuallererst für eine gute Fortbildung. Von einem Dialog sind wir leider noch weit entfernt. Der sogenannte Bildungsdialog ist als Nebelkerze gegen die angekündigten Protestmaßnahmen der Lehrpersonen entstanden. Am 18.9. ist sie verglüht.Man wollte aktionistisch von 15 Jahren Versäumnissen und leeren Versprechungen ablenken.
Die Ergebnisse bestehen aus Selbstdarstellungen in teuren Broschüren und auf der Bühne. Die Aussagen von Landeshauptmann, Landesrat und Bildungsdirektor stehen erneut im Widerspruch zu ihren Taten. Zuhören beginnt mit Begegnung und nicht mit Online-Meldungen.
Ich hoffe, dass die Aussagen der Referentin Corina Elfe zur Inklusion der Lehrpersonen und zur Unerlässlichkeit eines guten Umfelds (einschließlich angemessener Entlohnung) bei den oben genannten Verantwortlichen zumindest minimale Reflexionen auslösen. Sie hat auch betont, dass man gerade den Stänkerern zuhören muss, wenn man etwas verbessern will. Hört die Initiativgruppen an, statt deren Aussagen in der Presse durch Halbwahrheiten, 50-fache Meldungen über Gehaltserhöhungen oder unzureichend beantwortete Landtagsanfragen zu diskreditieren.
Es geht den Lehrpersonen nicht nur ums Geld. Es geht besonders um Anerkennung. Diese lässt die Bildungsdirektion mit ihrer von oben verordnenden Struktur, Kontrolle und Einbahnloyalität vermissen. Das empörendste Beispiel ist ein Bildungsdirektor, der in Vertragsverhandlungen bis zu 28 Wochenstunden Unterricht vorschlägt. Damit wäre der unerlässliche Austausch zwischen den Lehrpersonen unmöglich. Burnout ließe grüßen!
Lehrpersonen ist es ein zentrales Anliegen, aus jungen Menschen zukunftsfähige Erwachsene zu machen. Die wenigsten haben diesen Beruf ohne Begeisterung gewählt. Ich möchte um Vertrauen in die Arbeit der Lehrpersonen werben und um Verständnis für die Protestmaßnahmen, die nicht „auf dem Rücken der Kinder“ erfolgen, sondern für deren Zukunft! Wenn über Jahrzehnte nur Versprechen gemacht werden und Anpassungen weit dahinter zurückbleiben, lassen wir uns nicht den Schwarzen Peter zuschieben. Beginnen wir endlich einen ehrlichen Dialog!
Bernhard Öttl, Pfalzen

Auf heißen Kohlen
ff 39/26 über die Affäre Alpenkohle und das Fernheizwerk in Laas

Im Interview mit Frau Hinterwaldner war es mir ein Anliegen, nicht nur über den aktuellen Stand der Angelegenheit rund um das Fernheizwerk Laas zu informieren, sondern auch auf die menschlichen und finanziellen Belastungen der betroffenen Familien sowie auf die Auswirkungen auf das Ehrenamt hinzuweisen. Als zusätzliche Grundlage für das Gespräch hatte ich Frau Hinterwaldner auch einen von mir im Vinschgerwind veröffentlichten Leserbrief zur Verfügung gestellt. Umso mehr bedaure ich, dass diese Aspekte im Artikel nur wenig Niederschlag gefunden haben und zugleich einige Aussagen wiedergegeben wurden, die so nicht richtig sind. Daher möchte ich folgende Punkte richtigstellen:
1. Das Fernheizwerk Laas beschäftigt vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, nicht acht, wie im Artikel angegeben.
2. Die Holzvergasungsanlage und die Biomassekessel der Fernwärmeversorgung sind technisch grundlegend unterschiedliche Anlagen. Die im Artikel erwähnte Verbesserung der Luftqualität beziehungsweise das Verschwinden der früheren Rauchglocke über Laas ist nicht auf die Holzvergasungsanlage zurückzuführen, sondern auf die Biomassekessel der Fernwärmeversorgung.
3. Das Fernheizwerk Laas hat zu keinem Zeitpunkt Grillkohle verkauft. Verkauft wurde Kohle aus der Holzvergasungsanlage an Abnehmer, die diese anschließend zur Herstellung von Grillkohle weiterverarbeiteten.
Gerade bei einem Thema, das für die Betroffenen mit erheblichen persönlichen und finanziellen Belastungen verbunden ist, halte ich eine sachlich korrekte und differenzierte Darstellung für besonders wichtig.
Albert Platter, Laas

No Bikes please
Wenn Radfahrer keinen Respekt kennen – trotz eindeutigem Fahrverbot

Seit einem Jahr ist der beliebte und wunderschöne „Weg des Dialogs“, besser bekannt als Besinnungs-, Pilger- und Wanderweg, der vom St. Jakobskirchlein nach St. Ulrich führt, in beide Richtungen für Fahrräder gesperrt.
Der Weg hat seinen ganz eigenen Charakter: Er lädt zum Spazieren, Innehalten und Durchatmen ein. Ältere Menschen, Mütter mit Kinderwagen und alle, die Ruhe und Erholung suchen, schätzen diesen besonderen Ort. Auch bei Pflege, Instandhaltung und Sauberkeit ist der Weg ein echtes Vorzeigeprojekt. Umso unverständlicher ist es, dass die Sperre von manchen Radfahrern offenbar nach dem Motto „Verbotsschilder sind nur Empfehlungen“ behandelt wird. Immer wieder wird er trotz des eindeutigen Verbots befahren – leider nicht immer mit der nötigen Rücksicht auf diejenigen, die dort zu Fuß unterwegs sind. Dabei geht es nicht darum, Radfahrer gegen Spaziergänger auszuspielen. Es geht ganz einfach um gegenseitige Rücksichtnahme und darum, einen Ort zu respektieren, der bewusst der Ruhe, Besinnung und Erholung gewidmet ist. Müssen wir tatsächlich irgendwann Zäune und Absperrungen errichten, weil ein eindeutiges Verbot nicht mehr ausreicht? Vielleicht sollten wir es zunächst mit etwas versuchen, das eigentlich selbstverständlich sein sollte: Vernunft, Rücksicht und Respekt. Der „Weg des Dialogs“ verdient genau das.
Beatrix Stufflesser, St. Ulrich/Gröden

Der erregte Mann
ff 38/25 über Influencer, die erklären, was „echte Männer“ ausmacht

Alte Männerbilder machen plötzlich jungen Content. Wenn nicht so viel Ernsthaftes mitschwingen würde, müssten wir fast lachen. Denn seit dem Artikel in ff wissen wir: Espresso ist männlich. Doppelt. Ohne Zucker. Der Mann ist stark, führt, beschützt und übernimmt das Ruder. Wir sind Eltern von zwei erwachsenen Söhnen und einer fast erwachsenen Tochter und fragen uns besorgt: Haben wir etwas falsch gemacht? Bei uns sitzt nämlich mal er, mal sie am Steuer. Wer besser einparkt, wird aus Gründen des Familienfriedens nicht veröffentlicht. Wir leben auf Augenhöhe. Beide arbeiten, entscheiden, kümmern sich, übernehmen Verantwortung. Mal mehr der eine, mal mehr die andere.
Vielleicht ist genau das eine der großen Errungenschaften des Feminismus: Das Geschlecht entscheidet (fast) nicht mehr darüber, wer stark, erfolgreich, fürsorglich oder emotional sein darf.
Umso nachdenklicher macht die Reichweite: Emil Kola hat rund 19.000 Follower auf TikTok, Daniel Lintner rund 3.000. Beide sind Anfang 20, beide machen Content im Südtiroler Dialekt. Natürlich sind 19.000 Follower nicht 19.000 junge Südtiroler Männer. Aber: Wie ernst müssen wir nehmen, was hier zum Content wird? Und warum funktioniert es? Suchen junge Männer Orientierung, Zugehörigkeit, Anerkennung, Sicherheit? Das sollten wir ernst nehmen. Aber muss die Antwort wirklich wieder heißen: er stark, sie schwächer? Er führt, sie folgt? Vielleicht braucht es kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch. Denn bevor wir Mann oder Frau sind, sind wir Menschen. Wir wollen lieben und geliebt werden, frei sein und dazugehören.
Unseren Kindern wünschen wir Menschen an ihrer Seite, mit denen sie auf Augenhöhe durchs Leben gehen; ohne dass einer kleiner werden muss, damit der andere größer sein kann. Wer dabei fährt, ist uns egal.
Robert Graber & Sandra Moszner, Lana

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