Die etwas andere Tradition: Johannes Moser lädt zum dritten Mal zum Törggelen ins Autohaus Moser in Bruneck.
Leserbriefe
Leserbriefe_43_26
Diagnose: völlig erschöpft
Titelgeschichte in ff 40/26 über die Leiden der Südtiroler Hausärztinnen und Hausärzte
Als Patientin, die in Bozen lebt, und nachdem ich den Artikel über die Hausärzte gelesen hatte, kam eine drängende Frage auf: Von welchem Land sprechen die? Fast wie im Märchen! Die interviewten oder zitierten Ärzte haben sicherlich ein wunderbares Arbeitsethos, setzen das auch um und leben vorzugsweise auf dem Land, wo der Kontakt zur Bevölkerung immer schon ein anderer war. Aber ist das allgemein so, und wie sieht es im Ganzen aus? In der Stadt?
Vor zwei Jahren nach der Pensionierung meiner alten Hausärztin mit ebensolchem Arbeitsethos hat sich eine Odyssee aufgetan. Jetzt bin ich beim dritten Hausarzt. Der erste ging nach zwei Monaten weg. Die zweite arbeitete in einer Gemeinschaftspraxis: Sekretariat telefonisch nicht zu erreichen, die Regel galt: Nur die ersten fünf Patienten wurden zur Ambulatoriumszeit für eine ärztliche Visite angenommen, Kasernenton im Sekretariat. Mir wurde die Visite trotz Schmerzen und Vorrang zunächst verweigert, ich solle doch in die Erste Hilfe gehen. Die Praxis glich einer in einem Entwicklungsland. Die Wände angeschmuddelt, der Raum der Hausärztin: Man kann sagen vermüllt. Ich konnte den Raum heimlich fotografieren und dem Landesrat schicken. Ich hoffe, der Sanitätsbetrieb hat in der Zwischenzeit kontrolliert …
Bei meiner jetzigen Hausärztin ist der Zugang sehr erschwert. Trotz Gemeinschaftspraxis kein Sekretariat. Wir sind per App in Kontakt. Ich frage mich: Was machen ältere, digital nicht sehr kompetente Mitbürgerinnen? Nach einer Anfrage kommt – vielleicht – nach einem bis drei Tagen eine Antwort … Das sind keine Einzelfälle. Von einigen Bekannten weiß ich, dass sie nur schwer zu einem Kontakt, meist über E-mail und kaum telefonisch, zur Praxis ihrer Hausärztinnen kommen. Visiten werden erst nach Tagen vergeben. Mehr Wertschätzung und weniger Kontrolle? Kontrolliert der Sanitätsbetrieb wirklich? Ist das die im Artikel besungene Arzt-Patient-Beziehung? Ich und einige andere Betroffene haben eher den Eindruck, dass hier die Patientinnen nach Möglichkeit ferngehalten werden sollen. Was glauben Sie, wie froh ich jetzt bin über die Telefonnummer 116/117 und die Gewissheit: Es geht jemand ran und nimmt mein Anliegen auf! Ebenso das Gemeinschaftshaus: Ich kann einfach hingehen! Was für eine Erleichterung!
Name und Adresse der Briefschreiberin sind der Redaktion bekannt
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Das letzte Eis
Titelgeschichte in ff 42/26 über Südtirols Gletscher, die schnell verschwinden
Es ist noch gar nicht so lange her, da waren Gletscher noch dominant und schoben ihre Eiszungen bis weit in die Täler vor. Von vielen Eisriesen sind nur noch kümmerliche Reste übrig, und diese drohen nun auch zu verschwinden. Der massive Rückgang der Gletscher ist ein augenfälliges Zeichen des rasanten Klimawandels. Kalt kann es uns nicht lassen, denn mit deren Rückzug nehmen Felsstürze und Bergabgänge zu, die auch Wanderer und Bergsteiger gefährden. Gelingt keine Stabilisierung des Klimas, dann dürften sie endgültig von der Bildfläche verschwinden mit gravierenden Ausmaßen für unsere Wasserversorgung und den Verlust von Biodiversität.
Thomas Malfertheiner, Bozen
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Ultner Wohltaten
„Panorama“-Meldung in ff 42/26 über das Angebot der Landesenergiegesellschaft für die Errichtung eines Pumpspeicherwerks
Wenn es um das geplante Alperia-Pumpspeicherwerk geht, wird uns von Politik und Konzern viel versprochen: Millionen-Ausgleichszahlungen, Gratissockel oder billigerer Strom fürs Skigebiet. Doch bei genauerem Hinsehen erweisen sich diese Versprechungen als rechtlich wacklige Mogelpackung. Exklusive Sondertarife für eine einzelne Gemeinde verstoßen massiv gegen das EU-Wettbewerbsrecht und den Gleichheitsgrundsatz. Sobald geklagt wird, fallen diese Zusage-Kartenhäuser in sich zusammen – zurück bleiben die Dauerlasten, Bauwerke und Landschaftsschäden.
Unsere Heimat lässt sich nicht mit Stromrechnungen aufwiegen. Meine eigene Familie hat damals beim Bau des Zogglerstausees wirtschaftlich profitiert, ich kenne also beide Seiten. Und genau aus dieser Erfahrung sage ich: Es ist genug! Ulten hat mit sechs Stauseen bereits mehr als genug Last für die Stromversorgung getragen. Wir erzeugen heute schon ein Vielfaches unseres eigenen Bedarfs, während die Gewinne stets abflossen.
Bevor man uns ein Megaprojekt zumutet, muss die Politik erst die Hausaufgaben im Tal erledigen. Der Verkehr an Nadelöhren wie in St. Walburg steht schon an normalen Tagen kurz vor dem Kollaps. Wie sollen dort jahrelang Hunderte Schwerlast- und Beton-Lkws durchgeschleust werden? Auch das Stollenleck am Zogglerstausee im Jahr 2025 hat gezeigt, dass Sicherheitsbedenken keine Erfindungen sind. Eine kleine Gemeinde verfügt nicht über die Ressourcen, um einem milliardenschweren Energiekonzern auf Augenhöhe Paroli zu bieten. Doch wir Ultner haben das demokratische Zepter selbst in der Hand. Stellen wir uns eine Maria Himmelfahrtsprozession vor: Ein einzelner Musikant wirkt verloren – erst wenn die ganze Musikkapelle zusammensteht, entsteht ein kraftvoller Klang. Genauso zählt am 7. März jede einzelne Stimme! Der Landeshauptmann hat öffentlich erklärt: Wenn Ulten „Nein“ sagt, wird das Projekt nicht umgesetzt. Nehmen wir die Politik beim Wort! Lassen wir uns nicht ködern und stimmen wir am 7. März geschlossen mit „Nein“ – unserem Tal und unseren Kindern zuliebe.
Gottlieb Santer, Stuttgart/St. Walburg
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Lob für Achammer
Über die angestrebte Erhöhung der Unterrichtsstunden an den Schulen
Ein Lob an Landesrat Philipp Achammer für seine Klarstellung: Die von ihm angestrebte Erhöhung auf 28 Unterrichtsstunden ist „nicht verpflichtend“. Was für ein Glück! Vor allem, weil eine Pflicht per Dekret rechtlich und kollektivvertraglich ohnehin illegal wäre und vor jedem Arbeitsgericht sofort in sich zusammenbrechen würde. Aber verkaufen wir diese juristische Unmöglichkeit lieber als pure Großzügigkeit der Politik! Wie genial, die Unzulässigkeit einer Zwangsmaßnahme als „Ad-hoc-Chance für Freiwillige“ zu tarnen! Wenn der Lehrermangel brennt, wird daraus ohnehin sanfter, kollegialer Druck. Besonders perfide ist Achammers Verweis auf die volle Lehrfreiheit. Dabei vergisst er wohl, dass diese durch den Artikel 33 der Verfassung und das Gesetzesdekret 297/1994 (vor allem Art. 1) staatsweit unumstößlich geregelt ist. Südtirol spielt hierbei als Gesetzgeber keine Rolle! Achammer greift in die klassische SVP-Trickkiste: Er hetzt Lehrer, Pflegekräfte und Feuerwehrleute im Sinne einer politisch geschürten Neiddebatte gegeneinander auf, um vom eigenen Systemversagen abzulenken. Weil andere chronisch überlastet sind, sollen gefälligst alle stillschweigend mitleiden. Rechtlich bindend geht das zwar nicht, aber mit moralischem Druck und künstlichem Sozialneid regiert es sich in Südtirol eben immer noch am leichtesten. Ein Hoch auf diese neue SVP-Phantomdebatte! Ein Hoch auf die Illusion der Freiwilligkeit!
Florian Leimgruber, Sand in Taufers
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Make Lesen sexy again
Außensicht von Alexandra Kienzl in ff 38/26 über die Ergebnisse der Pisa-Studie
„Make Lesen sexy again!“ lautet der Titel von Alexandra Kienzls Kolumne angesichts der ernüchternden Ergebnisse der Pisa-Studie. Danke für diesen Zwischenruf! Singapur will seine Bürgerinnen und Bürger künftig dafür bezahlen (wenn auch nur geringfügig), täglich 15 Minuten lang zu lesen. Es reicht dem Stadtstaat offensichtlich nicht, dass seine 15-Jährigen in der aktuellen Pisa-Studie im Lesen spitze sind. Jetzt will die Regierung den Leuten dort sogar angewöhnen, jeden Tag zu lesen. Vielleicht sollten wir uns das abschauen. Lesen und lesen lassen!
Paulina Moser, Bruneck
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„Verfehltes Projekt“
Der Alleskönner André Heller gestaltet den Hofburggarten in Brixen, ff hat mehrfach darüber berichtet.
Auf eine Anfrage der Bürgerliste zum Obstbaumgarten bei der Hofburg in Brixen beriefen sich die Stadtgemeinde Brixen und die Landeskonservatorin in ihrer Genehmigung des Projekts von André Heller auf: meine „Stellungnahme zu Bedeutung und Potenzial des Baumgartens bei der Hofburg in Brixen“ aus dem Jahr 2011; und das Buch „Obstgärten“ aus dem Jahr 2018.
In wiederholten offenen Briefen an die kirchlichen und politischen Entscheidungsträger haben wir seit 2016 dafür plädiert, den Wettbewerbsentwurf des Büros „freilich landschaftsarchitektur“ aus Meran von 2012 im Hofgarten-Areal zu realisieren, und seit Bekanntwerden der Konzepte von André Heller unmissverständlich erklärt, dass mit einer Anlage dieser Art im Kontext des historischen Hofburgensembles denkmalpflegerische Grundsätze missachtet werden.
In unserem am 12. November 2025 an die Entscheidungsträger gerichteten „Nachruf auf das Pomarium in Brixen“ haben wir noch einmal konstatiert, dass wir die von André Heller für das Pomariumsareal
entworfene – nun in der Umsetzung befindliche – Gartengestaltung sowohl typologisch als auch funktional für nicht mit der historischen Rolle des Obstgartens im Hofburgensemble vereinbar erachten. Dagegen hatte der preisgekrönte Siegerentwurf des internationalen Wettbewerbs von 2012 unseres Erachtens das Potenzial, den gartenkulturellen Charakter des jahrhundertealten Gartens erlebbar zu machen, die Würde des Hofburgensembles zu wahren, dabei zugleich den historischen Ort in moderner Formensprache weiterzuentwickeln und eine niedrigschwellige öffentliche Nutzung des Pomariums zu ermöglichen. Und zweifellos hätte dieser Entwurf nur einen Bruchteil der Kosten, die für den Heller-Garten aufgewendet werden, erfordert. – Die Fehlentscheidung wäre vermeidbar gewesen, die Chance ist vertan!
Wir verbitten uns deshalb mit allem Nachdruck, als Gewährsleute für die Rechtfertigung eines verfehlten Projekts – sei es das Ganze oder Details davon betreffend – instrumentalisiert zu werden.
Erika Schmidt, Professorin für Geschichte der Landschaftsarchitektur und Gartendenkmalpflege i. R., unterstützt und gezeichnet von: Jost Albert, Claudia Gröschel, Manfred Handke, Waltraud Kofler, Irma Naso, Jan Woudstra
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