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Außensicht
Lehrerbashing: Leistet mal!
Aus ff 37 vom Donnerstag, den 11. September 2025
Es gibt Themen, zu denen jede und jeder glaubt, etwas beitragen zu können. Die Schule, zum Beispiel. Die Tatsache, dass jede*r sie irgendwann besucht hat, scheint auszureichen, um sich dazu mit dem Habitus eines Experten zu Wort zu melden. Was ich mutig finde, denn es war ja wahrscheinlich jede*r auch schon mal beim Bäcker oder beim Zahnarzt, und trotzdem hört man nicht die ganze Zeit: „Mah, so ein Brötchen, das krieg’ ich auch hin!“, oder: „Zähne ziehen, wie schwer kann das sein?“
Es muss eine Art späte Genugtuung sein, sich nach vielen Jahren despektierlich über eine Berufsgruppe zu äußern, weil man vielleicht mit einem Vertreter derselben schlechte Erfahrungen gemacht hat. Möglicherweise ist es auch der Neid auf die vielen unterrichtsfreien Tage (ich sage bewusst nicht: Ferien). Oder die total verquere Vorstellung, hart gearbeitet würde nur in der Privatwirtschaft: Ich kann Ihnen versichern, Däumchen drehen ist in der Privatwirtschaft um einiges leichter, weil Sie da nicht ständig den aufmerksam-kritischen Blicken von 20 plus Augenpaaren ausgesetzt sind. Nur glauben das viele Menschen nicht (obwohl sie selbst Kinder zu Hause haben, meist keine 20, und mit denen schon manchmal ihre liebe Not).
Auch der Südtiroler Wirtschaftsring scheint vom fröhlichen Zeitvertreib des Lehrerbashings angesteckt worden zu sein, wenn er in einer Presseaussendung zum Schulbeginn zwar eingesteht, dass die „unverzichtbare Arbeit“ der Lehrerschaft „Anerkennung verdient“, im nächsten Atemzug aber eine „Leistungsbezogenheit“ der Gehälter fordert. Außerdem wäre auch die Sommerbetreuung zu übernehmen. Und den Lehrer-Initiativgruppen, die sich für die längst überfällige Gehaltserhöhung einsetzen, wirft der SWR „gesellschaftliche Spaltung“ vor, weil sie mit dem ersten Angebot des Landes noch nicht zufrieden sind. Sehen so „Respekt und Anerkennung“ aus, wie sie abschließend salbungsvoll gefordert werden? Woher nimmt ein Verband die Chuzpe, eine Berufsgruppe, die nicht die seine ist, derart maßzuregeln? Wie wäre es stattdessen mit wirklicher Solidarität und Unterstützung? Denn die Spalter, die seid in diesem Fall ihr.
von Alexandra Kienzl | Kolumnistin, Englisch-Lehrerin und ehemalige ff-Redakteurin
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