Theater in der Altstadt, Vereinigte Bühnen Bozen, Rotierendes Theater suchen die Verbindung zur Gegenwart und wollen bewegen. Gelingt das?
Außensicht
Frauen, Väter, Feierei: Mama macht’s, Papa kriegt nen Orden
Aus ff 12 vom Donnerstag, den 20. März 2025
Es gibt Fragen, die kommen verlässlich wie das Amen in der Kirche. Eine davon: „Warum braucht’s eigentlich noch den Tag der Frau?“ Meist gestellt von einem Mann, der es gut meint – und dabei die Stirn so in Falten legt, als würde er gerade das Gleichstellungsrätsel der Menschheit lösen.
Während die Antwort noch in der Luft hängt, ploppt eineinhalb Wochen später der Vatertag auf. Plötzlich werden Helden mit Tragehilfe gefeiert und es wird feierlich verkündet: Drei Väter in Südtirol haben heuer zweieinhalb Tage und sieben Stunden mehr Vaterschaftsurlaub genommen! Applaus! Und als ultimativer Beweis der fortschreitenden Evolution des Mannes reicht ein einziges Bild: Papi, Dienstagnachmittag, Spielplatz. Guckt, er schaukelt das Kind! Fast wie eine Mutter! Ist das nicht großartig? Hier fragt seltsamerweise keiner, warum es diesen Tag braucht.
Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Ich feiere gute Väter! Ich habe selbst so einen. Und für mein Kind hab ich mir natürlich das Deluxe-Modell ausgesucht. Aber während Männer heute als moderne Superdads gefeiert werden, die ihr Kind auch mal abholen oder ins Bett begleiten, ist es immer noch selbstverständlich, dass Frauen ein absurdes Pensum jonglieren zwischen Haushalt, Job & Familie. Und dann gönnt man ihnen nicht einmal den Tag der Frau. Oder setzt sogar noch eines drauf und kommt mit dem Totschlagargument: „In wenigen Wochen ist ja auch noch Muttertag!“ Ja genau. Also zwei Mal feiern für uns Frauen – schon irgendwie übertrieben, oder?
Achtung, Spoileralarm: Das wird nicht der klassische Frauen-leisten-so-viel-also-klatscht-mal-Text, sondern ein Realitätscheck: Der Alltag ist für Mann und Frau fordernd. Warum nicht einfach alle hochleben lassen? Also: Einfach mal nicht abwägen, nicht zählen, nicht vergleichen – sondern einfach feiern. Frauen, Mütter, Männer und Väter. Das eine schließt das andere nicht aus.
von Karin Köhl | Nachrichtenredakteurin bei Rai Südtirol und freie Journalistin
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